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So bauen Sie resiliente Geschäftsmodelle auf

So bauen Sie resiliente Geschäftsmodelle auf

 

Jede Unternehmung beruht auf einem Geschäftsmodell. Egal ob Handelsunternehmen, Produktionsbetrieb oder gastronomische Unternehmung: Durch das Management wird festgelegt, wie ein Kundenmehrwert erzeugt wird, welche Aufgabe der Betrieb innehat und welche langfristige Ausrichtung verfolgt werden soll. Die Geschäftsmodelle können sich dabei vollständig voneinander unterscheiden und sind selbst in derselben Branche oftmals gänzlich verschieden. Jedes Unternehmen entwickelt im Hinblick auf die individuellen Zielsetzungen und verfügbaren Ressourcen eigene Lösungsansätze. Um erfolgreich zu wirtschaften, gilt es nachhaltige Geschäftsmodelle zu erstellen, die darüber hinaus auch äußerlichen Einflüssen standhalten können. Dies ist insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung von Bedeutung, da sich die Industriegesellschaften im wahrscheinlich größten Umbruch aller Zeiten befinden. Wie resiliente Geschäftsmodelle aufgebaut werden können, die nachhaltig auch in turbulenten Umbruchsperioden erfolgreich sind, ist Thema des folgenden Beitrages. 

 

Was ist ein resilientes Unternehmen? 

 

Die Begrifflichkeit der Resilienz stammt aus dem Lateinischen („resilio“ = „zurückspringen“, „zurück- bzw. abprallen“ oder „zusammenschrumpfen bzw. sich verkleinern“). Die unterschiedlichen Wortbedeutungen zeigen bereits, dass der Begriff der Resilienz eine Reaktion auf Veränderungen beschreibt. Laut dem deutschen Duden bezeichnet der Begriff „die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.“ Diese Definition lässt sich im Unternehmenskontext dahingehend anpassen, dass resiliente Unternehmen genügend Stabilität besitzen, um negativen äußeren Einflüssen gegenüber widerstandsfähig zu bleiben. Darunter können beispielsweise Wirtschaftskrisen; ökonomische und soziale Veränderungen wie die Digitalisierung; ökologische Anpassungen oder politische Verordnungen fallen. Resiliente Unternehmen verfügen über Geschäftsmodelle, die möglichst krisenresistent sind und nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen.  

 

Unter dem „Resilienz-Management“ eines Unternehmens wird darüber hinaus verstanden, wie widerstandsfähig ein Betrieb grundsätzlich aufgebaut ist, damit die Struktur auch bei negativen äußeren Einflüssen aufrechterhalten werden kann. Ebenfalls spielt die Selbstregulierung der Unternehmen eine wichtige Rolle. Diese setzt voraus, dass Unternehmen Veränderungen rechtzeitig erkennen und sich auf diese frühzeitig und nachhaltig aufstellen können. Nicht selten setzt dies eine Anpassung am eigentlichen Geschäftsmodell voraus. Es ist illusorisch anzunehmen, dass alle äußeren Einflüsse im Vorhinein immer antizipiert werden können. Unter die Selbstregulation fällt es daher, dass Veränderungen vom Management rechtzeitig als solche identifiziert und umgehend Maßnahmen eingeleitet werden. Resiliente Geschäftsmodelle unterstützen durch eine stabile Struktur etwaige Anpassungen proaktiv. 

 

Unternehmen benötigen resiliente Infrastrukturen 

 

Grundlage eines resilienten Unternehmens ist eine möglichst widerstandsfähige Infrastruktur. Diese umfasst das Gesamtsystem im Betrieb und beinhaltet Menschen, Maschinen und IT gleichermaßen. Die Mitarbeiter gilt es als essenziellen Teil der Organisation zu betrachten, deren Arbeitsleistung für den Erfolg notwendig ist. Daher ist durch das Management sicherzustellen, dass die Arbeitnehmer sich auch möglichst effizient und produktiv in die Unternehmung einbringen können. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse des „Gallup Engagement Index 2019“ wird deutlich, dass der Faktor Mensch auch im Zeitalter der Digitalisierung federführend bleibt. Es gilt jedoch veränderte Motivationsfaktoren wie Verantwortung, Sinnhaftigkeit und Flexibilität genauso wie den Bedarf zur Schaffung der „Digital Readiness“ zu beachten. In der Folge gilt es Smart-Working-Konzepte und dezentralere Organisationsstrukturen, zu denen beispielsweise ein Homeoffice-Angebot zählen kann, in Betracht zu ziehen. Investments in das Humankapital erhöhen die Resilienz von Unternehmen. Smart-Working-Ansätze sorgen nicht nur dafür, dass die Motivation steigt, sondern ermöglichen ebenso eine bessere Widerstandsfähigkeit bei negativen äußeren Einflüssen, da die Arbeit dezentraler erledigt werden kann und die Mitarbeiter besser im Umgang mit ihrer Tätigkeit geschult sind. 

 

Maschinen sollten regelmäßig gewartet werden und möglichst autonom agieren. Je mehr menschliche Koordination notwendig ist, je anfälliger ist eine Produktion für äußere Einflüsse. Moderne Ansätze wie Predictive Maintenance und verbesserte Sensortechnik sorgen dafür, dass Produktionsprozesse auch aus der Entfernung kontrolliert und überwacht werden können. Hierfür spielt die IT ebenso eine zentrale Rolle wie bei der Anbindung der Mitarbeiter. Technologien wie Videotelefonie und ortsunabhängiger Zugriff auf Unternehmensdaten, um flexibel jederzeit eingreifen zu können, avancieren zum Must-have. Dafür benötigt es vollständig integrierte Systeme, deren Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst, bearbeitet und ausgewertet werden können. Typischerweise ist dies die Rolle des ERP-Systems, welches im Zeitalter der Digitalisierung zum zentralen Knotenpunkt zwischen Menschen, Maschinen und Prozessen avanciert. Zur Umsetzung einer resilienten IT-Infrastruktur etabliert sich die Cloud als Standard. Mobile Business und Smart Working sind durch cloudbasierte Anwendungen nativ inkludiert. Darüber hinaus versprechen IT-Systeme aus der Cloud ein erhöhtes Maß an IT-Sicherheit und Datenschutz. Ein Cloud ERP aggregiert so alle relevanten Unternehmensdaten und bietet die Möglichkeit zur Automatisierung von Prozessen. Durch den browserbasierten Zugang und dem externen Hosting der Anwendung außerhalb des Unternehmensstandortes ist ein weiteres Maß an Resilienz erreicht.  

 

Resiliente Geschäftsmodelle müssen nachhaltig sein 

 

Verfügt ein Unternehmen über eine resiliente Infrastruktur, ist die Grundlage geschaffen, um möglichst widerstandsfähig gegenüber einschneidenden Veränderungen zu sein. Ein resilientes Geschäftsmodell ist hiermit aber noch nicht gleichbedeutend. Entsprechend widerstandsfähige Geschäftsmodelle werden vor allem durch ihre Nachhaltigkeit geprägt. Ein strahlendes Beispiel stellt hier die Otto Group dar, die rechtzeitig erkannt haben, dass durch die Digitalisierung der klassische Versandhandel vollständig disrupted wird. In der Folge investierte die Gruppe massiv in den Aufbau einer eigenen Plattform mit Marktplatz. Im Jahre 2019 erzielte die Otto Group so einen Umsatz von über 3 Milliarden Euro – und ist damit der zweitgrößte B2C-E-Commerce-Shop in Deutschland hinter Amazon. Das rechtzeitige Verändern des Geschäftsmodells vor dem Hintergrund der Digitalisierung stellt die Gruppe somit zukunftsfähig auf. Die Zukunftsfähigkeit ist eines der Hauptfaktoren für Resilienz. 

 

Wie resiliente Geschäftsmodelle aufgebaut werden: 

 

1. Analyse des bestehenden Geschäftsmodells hinsichtlich Risiken, Zukunftsfähigkeit und Deckungsgleichheit mit Kundenanforderungen 

 

2. Skizzierung des Geschäftsmodells hinsichtlich der Dimensionen und Elemente zur Entwicklung von Resilienz-Zielen 

 

3. Ermittlung von best practices und Enabler-Technologien zur Umsetzung der Resilienz-Ziele 

 

4. Bewertung des resilienten Geschäftsmodells hinsichtlich Zukunftsfähigkeit (vor allem im Hinblick auf weitergehende Veränderungen der Digitalisierung), Erfüllung der Kundenanforderungen und Erreichung der gesteckten Ziele; Abgleich mit den Anknüpfungspunkten des bestehenden Geschäftsmodells 

 

6. Implementierung des resilienten Geschäftsmodells 

 

Diese mögliche Roadmap zeigt typische Schritte auf, die zur Entwicklung von resilienten Geschäftsmodellen führen. Ist ein Geschäftsmodell möglichst widerstandsfähig gegenüber Störfällen aller Art und ebenfalls nachhaltig im Hinblick auf die Digitalisierung, wird sich die Resilienz zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln und zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.