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Was ist Materialbedarfsplanung?

 

Lieferengpässe, teure Eilbestellungen und Stillstand in der Produktion? Wenn Materialbedarfsplanung fehlt oder schlecht organisiert ist, geraten Termine, Kosten und Kundenzufriedenheit schnell aus dem Gleichgewicht. Doch was ist Materialbedarfsplanung genau, wie funktioniert ein Materialbedarfsplan in der Praxis und welche Rolle spielt ein ERP-System wie Myfactory dabei?

Materialbedarfsplanung

1. Was ist Materialbedarfsplanung? Definition & Erklärung

Unter Materialbedarfsplanung (englisch: Material Requirements Planning, kurz MRP) versteht man die systematische Ermittlung, Planung und Steuerung aller Materialien, die ein Unternehmen in einem bestimmten Zeitraum benötigt, um Produktion und Auftragsabwicklung termingerecht und wirtschaftlich sicherzustellen.

Eine gängige Definition beschreibt Materialbedarfsplanung als Ausweis bzw. Ermittlung der in einer Planungsperiode benötigten Materialien nach Art, Menge, Qualität und Zeitpunkt beziehungsweise Zeitstruktur (zum Beispiel Sekundär- und Tertiärbedarf).

Mit anderen Worten: Die Materialbedarfsplanung beantwortet im Kern drei Fragen:

  • ✅ Was wird benötigt? (Materialart, Qualität, Artikel)
  • ✅ Wie viel wird benötigt? (Menge, Brutto- und Nettobedarf)
  • ✅ Wann und wo wird es benötigt? (Termin, Bedarfstermin, Einsatzort / Werk / Lager)

Damit ist die Materialbedarfsplanung ein zentraler Bestandteil der Produktions- und Logistikplanung sowie die Grundlage für eine professionelle Beschaffung und Disposition.

2. Was ist ein Materialbedarfsplan?

Der Materialbedarfsplan ist das konkrete Ergebnis der Materialbedarfsplanung: ein strukturierter Plan, der für alle relevanten Materialien festhält, in welchen Mengen und zu welchen Zeitpunkten sie benötigt werden.

Typischerweise enthält ein Materialbedarfsplan unter anderem:

  • ✅ Materialnummer, Bezeichnung und ggf. Warengruppe
  • ✅ Bedarfsmenge (Bruttobedarf und nach Abzug von Beständen der Nettobedarf)
  • ✅ Bedarfstermine, Dispositions- und Bestelltermine
  • ✅ Zuordnung zu Aufträgen, Projekten oder Fertigungsaufträgen
  • ✅ Informationen zu Lieferzeiten, Mindestbestellmengen und Sicherheitsbeständen

In modernen ERP-Systemen wird der Materialbedarfsplan in der Regel automatisch aus Produktionsprogramm, Auftragsbestand, Lagerbeständen und Stücklisten abgeleitet und in Form von Bedarfs- und Bestellvorschlägen dargestellt.

3. Ziele und Aufgaben der Materialbedarfsplanung

Die zentrale Aufgabe der Materialbedarfsplanung besteht darin, eine kostenoptimale, aber zugleich sichere Materialversorgung zu gewährleisten.

  • ✅ Sicherstellung der Materialverfügbarkeit, damit Produktion und Auftragsabwicklung ohne Unterbrechung laufen.
  • ✅ Minimierung von Lagerbeständen, um Kapitalbindung, Lagerkosten und Abschreibungen zu reduzieren.
  • ✅ Reduktion von Eilaufträgen, Sonderfahrten und teuren Expresslieferungen.
  • ✅ Optimale Ausnutzung von Mengenrabatten, Rahmenverträgen und Lieferantenkonditionen.
  • ✅ Transparenz über Bedarfe, Bestände und Bestellungen für Disposition, Einkauf und Produktion.

Daraus ergeben sich typische Teilaufgaben der Materialbedarfsplanung:

  • ✅ Bedarfsermittlung (Bruttobedarf und Nettobedarf)
  • ✅ Sortiments- und Materialstammdatenpflege
  • ✅ Terminierung von Bestellungen und Fertigungsaufträgen
  • ✅ Überwachung von Beständen, Sicherheitsbeständen und Meldebeständen
  • ✅ Erstellung und Pflege von Materialbedarfsplänen und Dispositionsvorschlägen

4. Arten des Materialbedarfs: Primär-, Sekundär- und Tertiärbedarf

Um Materialbedarfsplanung und Materialbedarfsplan richtig einordnen zu können, ist die Unterscheidung verschiedener Bedarfsarten wichtig.

BedarfsartErklärungBeispiele
Bedarfsart PrimärbedarfErklärung Bedarf an verkaufsfähigen Endprodukten oder Ersatzteilen, die an Kunden geliefert werden.Beispiele Fertige Maschinen, Konfigurierte Handelsartikel, Kundenaufträge.
Bedarfsart SekundärbedarfErklärung Bedarf an Komponenten, Baugruppen und Rohstoffen, die zur Herstellung des Primärbedarfs benötigt werden.Beispiele Schrauben, Gehäuse, Leiterplatten, Verpackungen.
Bedarfsart TertiärbedarfErklärung Bedarf an Hilfs- und Betriebsstoffen, die nicht direkt in das Endprodukt eingehen, aber für Produktion und Logistik nötig sind.Beispiele Schmierstoffe, Reinigungsmittel, Paletten, Energiehilfsstoffe.

Die Materialbedarfsplanung leitet aus dem Primärbedarf (z. B. Kundenaufträge, Produktionsprogramm) den Sekundär- und Tertiärbedarf ab und bildet diese Bedarfe im Materialbedarfsplan ab.

5. Bruttobedarf, Nettobedarf und Bestände

Ein Kernkonzept der Materialbedarfsplanung ist die Unterscheidung von Bruttobedarf und Nettobedarf.

  • ✅ Bruttobedarf: Gesamter theoretischer Bedarf eines Materials in einem Zeitraum, abgeleitet aus Produktionsprogramm, Stücklisten, Aufträgen und Prognosen.
  • ✅ Lagerbestand: Physisch vorhandene Bestandsmenge im Lager, gegebenenfalls differenziert nach verfügbar, reserviert und gesperrt.
  • ✅ Bestellbestände / offene Bestellungen: Bereits bestellte, aber noch nicht gelieferte Mengen.
  • ✅ Nettobedarf: Tatsächlich zu beschaffende oder zu fertigende Menge nach Abzug vorhandener Bestände und offener Bestellungen.

Vereinfacht gilt:

Nettobedarf = Bruttobedarf minus verfügbare Lagerbestände minus bereits bestellte bzw. fest eingeplante Mengen

Nur der Nettobedarf wird im Materialbedarfsplan in Form von Bestellvorschlägen oder Fertigungsaufträgen umgesetzt.

6. Verfahren der Materialbedarfsplanung

In der Praxis kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz, die je nach Produkttyp, Bedarfsverlauf und Datenlage gewählt werden.

6.1 Programmorientierte (deterministische) Materialbedarfsplanung

Bei der programmorientierten oder deterministischen Materialbedarfsplanung wird der Materialbedarf aus einem vorliegenden Produktions- oder Absatzprogramm abgeleitet.

  • ✅ Basis sind Kundenaufträge, Produktionspläne und Prognosen.
  • ✅ Es wird mit Stücklisten und Arbeitsplänen gearbeitet.
  • ✅ Primärbedarf wird in Sekundär- und Tertiärbedarf aufgelöst.

Dieses Verfahren eignet sich besonders für planbare Serien- oder Auftragsfertigung sowie strukturierte Handelsprogramme mit klaren Stücklisten beziehungsweise Sets.

6.2 Verbrauchsorientierte (stochastische) Materialbedarfsplanung

Die verbrauchsorientierte oder stochastische Materialbedarfsplanung stützt sich auf historische Verbrauchsdaten und deren statistische Auswertung.

  • ✅ Prognose der zukünftigen Bedarfe aus Vergangenheitsdaten.
  • ✅ Einsatz von gleitenden Durchschnitten, Trend- und Saisonmodellen.
  • ✅ Typisch für C-Teile, Hilfs- und Betriebsstoffe oder sehr verbrauchsnahe Artikel.

Sie ist sinnvoll, wenn kein detailliertes Produktionsprogramm vorliegt oder der Aufwand einer programmorientierten Planung den Nutzen übersteigt.

6.3 Subjektive / heuristische Bedarfsermittlung

Subjektive Verfahren setzen auf Erfahrungswerte, Einschätzungen von Disponentinnen und Disponenten oder einfache Regeln, wenn weder verlässliche Pläne noch ausreichende Daten vorhanden sind.

  • ✅ Einsatz vor allem bei neuen Produkten ohne Historie.
  • ✅ Nutzung von Expertenwissen aus Vertrieb, Einkauf und Produktion.
  • ⚠️ Höhere Unsicherheit, daher oft mit Sicherheitsbeständen kombiniert.

7. Ablauf der Materialbedarfsplanung in der Praxis

Ein typischer Ablauf der Materialbedarfsplanung und Erstellung eines Materialbedarfsplans in einem Unternehmen sieht vereinfacht so aus:

  • ✅ Schritt 1: Eingangsdaten erfassen (Kundenaufträge, Prognosen, Produktionsprogramm).
  • ✅ Schritt 2: Primärbedarf definieren (Endprodukte, Konfigurationen, Varianten).
  • ✅ Schritt 3: Sekundär- und Tertiärbedarf über Stücklisten und Arbeitspläne ermitteln.
  • ✅ Schritt 4: Bruttobedarf je Material berechnen.
  • ✅ Schritt 5: Lagerbestände, Sicherheitsbestände und offene Bestellungen berücksichtigen.
  • ✅ Schritt 6: Nettobedarf ermitteln und im Materialbedarfsplan abbilden.
  • ✅ Schritt 7: Bestellvorschläge und Fertigungsaufträge generieren.
  • ✅ Schritt 8: Laufende Überwachung und Anpassung bei Planänderungen.

In einem integrierten ERP-System laufen viele dieser Schritte automatisiert im Rahmen von MRP-Läufen ab.

8. Materialbedarfsplanung im ERP-System (MRP) – Beispiel Myfactory

Moderne ERP-Systeme bilden Materialbedarfsplanung als zentrales Funktionsmodul ab, häufig unter Begriffen wie MRP, Disposition oder Bedarfsplanung.

Myfactory ERP ist ein cloudbasiertes ERP-System, das speziell auf kleine und mittlere Unternehmen ausgerichtet ist – insbesondere auf Unternehmen aus Handel und Produktion mit bis zu etwa 50 Mitarbeitenden. Für diese Zielgruppe ist eine effiziente Materialbedarfsplanung entscheidend, um schlanke Bestände mit hoher Lieferfähigkeit zu kombinieren.

Typische Funktionen von Myfactory im Kontext Materialbedarfsplanung können unter anderem sein:

  • ✅ Zentrale Material- und Artikelstammdaten mit Dispositionsparametern (Mindestbestände, Meldebestände, Losgrößen, Lieferzeiten).
  • ✅ Stücklistenverwaltung und Arbeitspläne zur Ableitung von Sekundärbedarfen.
  • ✅ Automatische Nettobedarfsermittlung auf Basis von Aufträgen, Prognosen und Beständen.
  • ✅ Generierung von Bestellvorschlägen für den Einkauf und Fertigungsvorschlägen für die Produktion.
  • ✅ Transparente Bestands- und Dispositionssichten für Handel und Produktion, inklusive reservierter und freier Bestände.

Gerade für KMU aus Handel und Fertigung, die mit begrenzten Ressourcen arbeiten, kann Myfactory helfen, Materialbedarfsplanung zu professionalisieren, manuelle Excel-Listen abzulösen und die Zusammenarbeit zwischen Vertrieb, Einkauf, Lager und Produktion zu verbessern.

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9. Vorteile einer professionellen Materialbedarfsplanung

Eine strukturierte, systemgestützte Materialbedarfsplanung bringt zahlreiche Vorteile mit sich:

  • ✅ Höhere Lieferfähigkeit und Termintreue gegenüber Kunden.
  • ✅ Reduzierte Lagerbestände und geringere Kapitalbindung.
  • ✅ Weniger Eilbestellungen, Expresszuschläge und Produktionsstillstände.
  • ✅ Bessere Planbarkeit von Einkauf, Produktion und Logistik.
  • ✅ Klarere Verantwortlichkeiten und mehr Transparenz im Unternehmen.

ERP-Systeme wie Myfactory unterstützen diese Vorteile, indem sie Daten zentralisieren, MRP-Läufe automatisieren und allen Beteiligten aktuelle Informationen zu Bedarfen, Beständen und Aufträgen bereitstellen.

10. Typische Herausforderungen und Fehler in der Materialbedarfsplanung

Trotz moderner Systeme kommt es in der Praxis häufig zu Problemen in der Materialbedarfsplanung.

  • ⚠️ Unvollständige oder veraltete Stammdaten (falsche Lieferzeiten, ungenaue Stücklisten, fehlende Dispositionsparameter).
  • ⚠️ Fehlende Abstimmung zwischen Vertrieb, Produktion und Einkauf.
  • ⚠️ Zu optimistische Prognosen oder fehlende Berücksichtigung von Saisonalität und Trends.
  • ❌ Manuelle Eingriffe ohne Dokumentation, die den MRP-Lauf verzerren.
  • ❌ Keine oder unzureichende Überwachung von Sicherheits- und Mindestbeständen.

Gut gepflegte Stammdaten, klare Prozesse und der konsequente Einsatz von ERP- und MRP-Funktionen sind daher entscheidend, um das Potenzial der Materialbedarfsplanung auszuschöpfen.

11. Best Practices für KMU in Handel und Produktion

Gerade kleine und mittlere Unternehmen können mit relativ einfachen Maßnahmen ihre Materialbedarfsplanung stark verbessern.

  • ✅ Einführung klarer Dispositionsregeln je Artikelgruppe (zum Beispiel ABC/XYZ-Analyse, Festlegung, welche Artikel programm- oder verbrauchsorientiert geplant werden).
  • ✅ Regelmäßige Bereinigung und Pflege von Materialstammdaten (Stücklisten, Lieferzeiten, Mindestbestände).
  • ✅ Nutzung der MRP-Funktionen im ERP-System statt isolierter Excel-Listen.
  • ✅ Enge Abstimmung zwischen Vertrieb, Einkauf, Lager und Produktion, etwa durch regelmäßige Planungsrunden.
  • ✅ Schrittweise Automatisierung von Bestellvorschlägen und Rahmenabrufen, wo es Sinn ergibt.

Myfactory bietet KMU eine skalierbare Plattform, um solche Best Practices über Module für Warenwirtschaft, Produktion, Einkauf und Lagerverwaltung hinweg zu etablieren und zu vernetzen.

Was ist Materialbedarfsplanung in einfachen Worten?

Materialbedarfsplanung bedeutet zu planen, welche Materialien in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt benötigt werden, damit ein Unternehmen seine Produkte ohne Unterbrechungen herstellen und liefern kann.

Was ist ein Materialbedarfsplan?

Ein Materialbedarfsplan ist ein strukturierter Plan, der alle künftigen Materialbedarfe eines Unternehmens nach Artikel, Menge und Termin übersichtlich darstellt und als Grundlage für Bestellungen und Fertigungsaufträge dient.

Was ist der Unterschied zwischen Bruttobedarf und Nettobedarf?

Der Bruttobedarf beschreibt den gesamten theoretischen Bedarf eines Materials, während der Nettobedarf nur die Menge umfasst, die nach Abzug von Lagerbeständen und offenen Bestellungen tatsächlich noch beschafft oder gefertigt werden muss.

Welche Rolle spielen ERP-Systeme wie Myfactory?

ERP-Systeme wie Myfactory automatisieren die Materialbedarfsplanung, berechnen auf Basis von Aufträgen, Beständen und Stücklisten den Nettobedarf und erzeugen daraus Bestell- und Fertigungsvorschläge, was Fehler reduziert und Transparenz schafft.

Für welche Unternehmen ist Materialbedarfsplanung besonders wichtig?

Materialbedarfsplanung ist vor allem für produzierende Unternehmen und Handelsunternehmen mit vielen Artikeln und Lieferanten entscheidend, insbesondere für KMU, die mit begrenzten Ressourcen hohe Lieferfähigkeit sicherstellen müssen.