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Den Plattform-Trend erklärt

von David Lauchenauer am 22.10.2020

Als drei Studenten in San Francisco im Jahr 2007 keine Mittel für ihre Miete besaßen und gezwungenermaßen ein Zimmer zur Untermiete anboten, legten sie damit den Grundstein für eine der größten Plattformen der Welt: Airbnb. Das amerikanische Unternehmen bietet einen Marktplatz zur Vermietung von privaten Unterkünften an, bei dem die Nutzer untereinander ihre Unterkünfte einstellen und anmieten können. Als Betreiber erhält das Unternehmen eine Vermittlungsgebühr. Binnen weniger Jahre überzeugte das Geschäftsmodell dermaßen, dass im Sommer 2020 ein Börsengang mit einer Unternehmensbewertung von 40 Milliarden US-Dollar im Gespräch ist. Was Airbnb so besonders macht, ist die Tatsache, dass es sich um eine ganze Plattform für die Vermittlung zwischen Unterkünften und Reisenden handelt, denn längst bietet das amerikanische Unternehmen auch die Möglichkeit an, an touristischen Aktivitäten teilzunehmen und inkludiert weitere Einnahmeströme. Der Unterkunftsvermittler ist hierbei nur ein Beispiel dafür, dass Plattformen voll im Trend liegen. Der folgende Beitrag geht dem Trend auf den Grund und zeigt, wie KMU davon profitieren können. 
 

Das Plattform-Modell als Bauplan verstehen 

Das obige Beispiel ist typisch für die Funktionsweise einer digitalen Plattform, von der es die unterschiedlichsten Ausprägungen gibt. Zu unterscheiden ist eine Plattform von einem Marktplatz, da diese typischerweise nur einen eindimensionalen Umsatzfluss aufweisen können. Plattformen erweitern ihre Kernausprägung aber schnell um sinnvolle Ergänzungen, um zusätzliche Monetarisierung und Einkommensströme zu erzeugen. Als Beispiel kann hier der amerikanische Vermittlungsdienst zur Personenbeförderung Uber herangezogen werden. Was als App zur Vermittlung von Limousinen-Fahrern und Privatpersonen begann, ist längst zu einer Logistikplattform weiterentwickelt. So lassen sich beispielsweise beliebige Fahrten bestellen, die von Privatpersonen durchgeführt werden, Essensbestellungen von Restaurants abholen, Frachtaufträge aufgeben, ÖPNV-Anbindung nutzen oder gar Flugreisen buchen. Die beiden Beispiele zeigen deutlich, dass das Plattform-Modell grundsätzlich darauf basiert, dass digitale Vermittlungsdienste zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern vermitteln, um anschließend horizontal zu skalieren. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk darauf, durch eine maximal einfache Dienstleistung einen breiten Nutzerstamm aufzubauen, bevor dann in die Breite weitere Einkommensströme akquiriert werden. Die ursprüngliche Vermittlungsleistung muss dabei aber digital stringent umgesetzt sein und bereits den sogenannten „product market fit“ erreicht haben, bevor es an die horizontale Skalierung geht. Mit diesem Bauplan gelingt es immer wieder Unternehmen selbst mit einfachen Apps ganze Plattformen zu errichten – und das teilweise in beeindruckender Geschwindigkeit. 
 

Wie deutsche KMU von Plattformen profitieren können 

Egal ob in den Medien oder in den Unternehmen selbst, das Stichwort der Plattform fällt regelmäßig. Kein Wunder, so gibt es in Deutschland zurzeit nur sehr wenige wirklich relevante Plattform-Dienste, hier wurde ein Trend erst zu spät erkannt und muss nun aufgeholt werden. Trotzdem kann ein produzierendes Gewerbe nicht einfach so zum digitalen Dienstleister avancieren, ein Fertigungsunternehmen stellt auch weiterhin Produkte her. Es gilt daher den grundsätzlichen Gedanken zu verinnerlichen und darauf aufbauend eigene Konzepte zu entwickeln und umzusetzen. Befeuert von der digitalen Transformation gibt es in deutschen KMU daher zahlreiche Möglichkeiten, von der Plattform-Ökonomie zu profitieren: 
 
  • Ausweitung von digitalen Services: KMU, die bereits erfolgreich digitale Dienstleistungen über das Internet anbieten, sind prädestiniert dafür mit Integration weiterer verbundener Angebote zur Plattform zu avancieren. Aber auch Onlineshops können, insbesondere im Nischenbereich, durch Integration von Dienstleistungen das bestehende Angebot zu einer Plattform ausbauen.  
  • Geschäftsmodelle neu denken: Der Trend rund um die Plattform-Ökonomie setzt bestehende Unternehmen unter Druck, ihre Geschäftsmodelle neu zu denken. Jeder Betrieb, auch mit eigener Fertigung, hat das Potenzial, entsprechende Plattform-Überlegungen einzupflegen, um die Wertschöpfung anzukurbeln. Durch die Digitalisierung hat die vernetzte Produktion, die Maschinen, Waren und Prozesse verbindet, bereits Einzug in Fertigungsunternehmen gehalten. Das Ergebnis kann ebenfalls als eine IoT-Plattform betrachtet werden, da das Internet of Things (IoT) über eine (Software-)Plattform den Datenaustausch und die Analyse ermöglichen. Mit diesen Erkenntnissen kann nicht nur die Produktion optimiert, sondern auch Mehrwert durch zusätzliche Dienstleistungen rund um physikalische Produkte angeboten werden: Die Geburt einer Plattform. 
  • Integration bestehender Produkte & Anwendungen: Der dänische Spielzeughersteller Lego integriert bereits seit einigen Jahren digitale Anwendungen mit dem physikalischen Spielzeug, um mehr Spielspaß zu erzeugen und weitere Umsätze für nachbestellbare Abenteuer oder Erweiterungs-Sets aus dem integrierten Onlineshop zu erzielen. Das Beispiel zeigt, dass durch die Integration bestehender Produkte und digitalen Anwendungen ebenfalls eine Plattform entstehen kann. 
  • Teilnahme an bestehenden Plattformen: Unternehmen müssen nicht zwingend selbst Betreiber einer Plattform werden, um von deren Reichweite zu profitieren. Wer bestehende Angebote geschickt als Vertriebskanal nutzt, kann Umsatzsteigerungen erzielen. 

Im Mittelpunkt der Plattform steht die Software 

Bei jeder digitalen Dienstleistung steht die Software im Zentrum; mit ihr steht und fällt das Angebot. Es benötigt voll integrierte, skalierbare und nativ für das Internet entwickelte Anwendungen, die die benötigten Funktionalitäten abbilden. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder von Software-Plattformen wie Cloud ERP gesprochen. Auch wenn die Begrifflichkeit nicht hundertprozentig zutreffend ist, so beschreibt sie einen vergleichbaren Ansatz der Plattform-Ökonomie. Denn auch bei cloudbasierten Anwendungen findet oftmals eine horizontale Integration von Modulen statt, am Beispiel von Cloud ERP sind es CRM, E-Commerce, PPS oder FiBu, welche die Warenwirtschaft zu einem ganzheitlichen IT-System ergänzen. Die vertikal vollumfängliche Software wird in der Breite durch entsprechende Module so erweitert, dass ganzheitliche Geschäftsmodelle abgebildet werden können. Vor diesem Hintergrund ist es spannend, dass selbst die benötigte Technik sich in eine ähnliche Richtung entwickelt wie die damit abzubildenden Plattformen. Doch bei all der Software darf eine zentrale Komponente nicht fehlen: der Mensch. 
 

200% Kundenzentriertheit als Mittel zum Erfolg 

Ob es sich nun um digitale Apps, IoT-Anwendungen oder Software-Plattformen handelt; erfolgreich sind nur die Systeme, bei denen eine absolute Zentriertheit auf die Bedürfnisse der Kunden liegt. Plattformen leben davon, dass der initiale Dienst anhand der weiteren Bedürfnisse horizontal skaliert werden kann. Dafür gilt es die gesamte Unternehmung anhand der Kundenbedürfnisse auszurichten und wirklich in die Interaktion mit den Kunden zu treten. So ist die Gründungsgeschichte von Airbnb dahingehend legendär, dass die Gründer selbst zur Kamera griffen, um die ersten eingestellten Unterkünfte professionell zu fotografieren. Dabei merkten die Gründer auch schnell, dass sie eigentlich eine ganz andere Zielgruppe ansprechen sollten – und der Rest ist Geschichte. Diese Anekdote zeigt, dass selbst das beste Produkt bei der falschen Zielgruppe scheitern kann, weswegen es umso wichtiger ist, dass die Kundenzentriertheit nicht nur ein Buzzword ist, sondern im Unternehmen wirklich gelebt wird. 

Über den Autor: Dr. Robert Meyer

Dr. Robert Meyer ist seit 2011 Geschäfts­führer der myfactory International GmbH. Seine Leiden­schaft ist die Vermarktung von moderner Cloud ERP-Software über Online-Medien und Partner­vertrieb. Im Mittelpunkt steht bei ihm immer das Wohl von Anwendern, die eine funktional ausgereifte, leicht zu in­di­vidualisierende, intuitiv zu bedienende, auf allen Devices verwendbare, und mobil ein­setzbare Unternehmens-Software benötigen.

Über den Autor: Rainer Giersbach

Rainer Giersbach stieg 2000 in die IT-Branche über eine technische Hotline zu kfm. Unternehmens­software ein, wenig später übernahm er das Produkt Management für diesen Bereich. 2006 stieß er im Zuge einer Recherche zum Thema "Online-Warenwirtschaft" auf myfactory. Das Thema hat ihn nicht mehr losgelassen und seit 2007 gestaltet er als Program Manager die myfactory Software aktiv mit.

Über den Autor: Timo Bärenklau

Nach seinem erfolgreichen Studium mit Abschluss als Bachelor of Engineering im Studiengang „Internationales Technisches Vertriebsmanagement“ stieß Timo Bärenklau als Lead Spezialist zur myfactory International GmbH hinzu. Schon während seines Studiums entdeckte er seine Leidenschaft für Vertriebsoptimierung, besonders im Hinblick auf CRM-Systeme. Auch seine Bachelor-Arbeit hatte CRM als Schwerpunkt. Seit 2012 betreut er maßgeblich die Leadqualifizierung bei myfactory.

Über den Autor: Tobias Korch

Tobias Korch arbeitet seit März 2011 bei myfactory als Software-Entwickler. Seine Schwerpunkte sind die Produktionsplanung (PPS) und das Modul eCommerce. Er ist ein engagierter Verfechter des myfactory-Konzeptes EasyRelease, mit dem Partner updatesichere Zusatzprogramme zur myfactory Business Software erstellen können. Bei Partnern und Partner-Interessenten sind deshalb seine Programmierer-Schulungen und unterstützende Coachings sehr gefragt. Durch seine vieljährigen Praxiserfahrungen mit komplexen Softwareprojekten hat er den Kontakt zum Mittelstand und das Verständnis für Anforderungen und Problemstellungen der Unternehmen und Anwender. Wenn es nichts zu tun gibt (gibt es das eigentlich?) dann kümmert er sich um seine Familie, macht Musik oder interessiert sich für alles was mit IT zu tun hat.

Über den Autor: Jan Schweighart

Jan Schweighart arbeitete nach einem Software Engineering Studium an der Hochschule Konstanz als Software Entwickler für einen Software Dienstleister. Überzeugt von Produkt und Mentalität, kam er Ende 2013 zu myfactory wo er heute schwerpunktmäßig an der Weiterentwicklung von myfactory.CRM arbeitet. Herr Schweighart hatte früher mal Hobbies, Freunde und ein soziales Leben, so wird zumindest berichtet. Heute ist er Vater einer kleinen Tochter ;)

Über den Autor: Dr. Mathias Hamp

Dr. Mathias Hamp ist Kommunikations- experte und entwickelt Kommunikations- strategien zur Vermarktung von Ideen, Waren und Marken. Seit 2015 verantwortet er für myfactory den Bereich Online Marketing.

Über den Autor: David Lauchenauer

David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory Gruppe.

Über den Autor: Stefan Girschner

Stefan Girschner (* 1967) berichtet als Fachjournalist seit vielen Jahren über Neuheiten und Trends in der IT-Branche. Seine journalistische Laufbahn startete er 1999 bei der Fachzeitschrift e-commerce magazin (ehemals IWT Magazin Verlag), wo er bis 2003 als Redakteur tätig war. Seit 2004 ist er freiberuflich für verschiedene Fachzeitschriften und Online-Portale in den Bereichen Unternehmens-IT, Computing sowie Wirtschaft und Industrie tätig. Darüber hinaus arbeitet er als Lektor und in der Schlussredaktion für Verlage und Agenturen. Von 2010 bis 2016 hatte er die redaktionelle Leitung des Digitalbusiness Magazin (WIN-Verlag) inne. Seit 2016 schreibt er wieder verstärkt für bekannte IT-Fachzeitschriften und -Portale.

Über die Autorin: Sandra Bültermann

Sandra Bültermann (*1975) ist seit 1999 als Technische Redakteurin tätig. Als langjährige Mitarbeiterin bei Fachzeitschriften, Agenturen und Softwareunternehmen verfügt sie über umfassende Kenntnisse in den Bereichen IT, Kommunikation und Contentmanagement. Ihre Kernkompetenz liegt darin, komplexe, technische Themen verständlich und zielgruppenorientiert aufzubereiten.
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