Die 10 häufigsten Stolpersteine bei ERP-Projekten

von David Lauchenauer am 07.09.2021, 2 min Lesezeit
 
 
 
 Aus Fehlern kann man lernen. Auch bei ERP-Projekten. Doch leider bieten sich den meisten Anwendern nicht viele Gelegenheiten dazu. Überraschungen gehören trotz sorgfältiger Vorbereitung bis zu einem gewissen Grad zu einem komplexen Vorhaben. Gut, wenn man dabei auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen kann. So lassen sich wenigstens von vorneherein die häufigsten Stolpersteine vermeiden. Worauf Sie bei Ihrem nächsten ERP-Projekt achten sollten, zeigt dieser Beitrag. Anwenden müssen Sie es in der Praxis dann selbst.  
 
  1. 1. Management steht nicht hinter dem Projekt 

ERP ist Chefsache. Zumindest, was das Gesamtprojekt betrifft. Bei der Einführung müssen laufend wichtige Entscheidungen gefällt werden. Diese betreffen OrganisationsstrukturenArbeitsprozesse, Personelles, Zuständigkeiten, ja sogar die Unternehmensstrategie. Damit ein ERP-Projekt nicht in Schieflage kommt, braucht es ein klares Bekenntnis des Managements und manchmal auch eine deutliche Ansage. 
 
  1. 2. Das Tagesgeschäft hat höhere Priorität 

Die Einführung eines Warenwirtschaftssystems ist mit einigem Arbeitsaufwand verbunden. Von der Prozessanalyse bis zur Ressourcenplanung sind jede Menge Details zu klären. Nebst dem ordentlichen Tagesgeschäft fehlt dazu häufig die Zeit. Außerdem sind die Projektverantwortlichen oft in leitender Position und sowieso schon unter Druck. Wichtig für ein erfolgreiches ERP-Projekt ist es, genügend Freiraum einzuräumen. 
 
  1. 3. Machtgerangel führt zu Grabenkriegen 

Eine Gesamtlösung für das Unternehmen führt zu mehr Transparenz und vernetztem Arbeiten. Sehr zum Unmut aller AbteilungskönigeWer bestimmt zum Beispiel die Struktur der Warengruppen oder Artikelnummern? Kleinigkeiten, welche aber rasch zu einem Machtgerangel und unendlichen Grabenkriegen führen können. Da hilft nur das Machtwort der obersten Führungsetage. 
 
  1. 4. Kolumbus-Effekt endet im Nirgendwo 

Ein ERP-Projekt lässt sich mit einer Reise vergleichen. Ohne Planung strandet man unweigerlich im Nirgendwo. Um diesen „Kolumbus-Effekt“ (wollte nach Indien und entdeckte Amerika) zu vermeiden, sind die folgenden Punkte bei der Einführung eines Warenwirtschaftssystems wichtig: 
  • Zielvorgaben 
  • Ausgangslage 
  • Organisation 
  • Rahmenbedingungen 
  • Ressourcenplanung 
 
  1. 5. ERP-Projekt ohne Konzept und Methode 

Professionelle Lösungsanbieter verfügen über bewährte Konzepte und Methoden, welche ein ERP-Projekt in klare, kontrollierbare Abschnitte gliedert. Das strukturierte Vorgehen wird gerade von kleineren Unternehmen oft als unnötige Schikane wahrgenommen. Ein fataler Fehler, der nicht selten im totalen Chaos endet. Wer hier spart, tut sich keinen Gefallen. 
 
  1. 6. Der Name ist nicht immer Programm 

Es gibt Warenwirtschaftssysteme, welche über klangvolle Namen verfügen und trotzdem nicht zum Anwenderunternehmen passen. Nicht dass die Software schlecht wäre. Manchmal ist das Lösungskonzept nicht stimmig, ein anderes Mal die Komplexität zu hoch oder die Benutzerfreundlichkeit ungenügend. Der Erfolg im ERP-Projekt hängt stark davon ab, wie sehr sich Anwender auf die Software einlassen können. 
 
  1. 7. Kunde und Anbieter verstehen sich nicht 

Wichtig ist auch das Zusammenspiel zwischen Anbieter und Kunde. Das gegenseitige Verständnis bzw. die gleiche Sprache zu sprechen ist ein immens wichtiger Faktor für ein ERP-Projekt. Die beste Ressourcenplanung eines Warenwirtschaftssystems stößt auf taube Ohren, wenn sich die beiden Parteien auf unterschiedlichen Flughöhen bewegen.  
 
  1. 8. Vergessen, die Anwender mitzunehmen 

Ein erfolgreiches ERP-Projekt bedeutet noch lange nicht eine erfolgreiche Nutzung. Spätestens im Mitarbeitergespräch fallen dann Sätze wie „Mit dem neuen Warenwirtschaftssystem kann ich nicht arbeiten.“ Das Problem sind fehlende Funktionen, eine umständliche Usability oder mangelnde Kenntnisse. Die Ursache: Die Anliegen der Anwender wurden zu wenig berücksichtigt. 
 
  1. 9. Termine und Budget geraten außer Kontrolle  

Budget- und Terminüberschreitungen sind für ein ERP-Projekt immer noch eine latente Gefahr, auch wenn sich das Risiko in den letzten Jahren deutlich reduziert hat. Ursachen für ausufernde Projekte sind meistens spontane Kundenwünsche, welche unkontrolliert umgesetzt werden. Wer auf ein transparentes Change-Management setzt, läuft kaum Gefahr, dass das Projekt außer Kontrolle gerät. 
 
  1. 10. Übertriebene Erwartungen ans ERP-System 

Die Erwartung, dass das neue Warenwirtschaftssystem alle internen Probleme löst und gleichzeitig neue Aufträge beschert sind – so merkwürdig es klingt – nach wie vor in vielen Köpfen vorhanden. Ein ERP-System leistet unbestritten einen wertvollen Beitrag zum Unternehmenserfolg, aber garantieren kann diesen auch die beste Software nicht.   
 
 
 
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David Lauchenauer
Über den Autor:
David Lauchenauer
David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory Gruppe. 2021 leitete er erfolgreich den Verkauf von myfactory an Forterro.