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Industrie 4.0 und das ERP-System

von David Lauchenauer am 25.10.2016, 2 min Lesezeit
Im Zuge der Digitalen Transformation fallen immer wieder bestimmte Schlagwörter, die besonders von den Medien in schöner Regelmäßigkeit aufgegriffen werden. Industrie 4.0 ist einer der populärsten Begriffe. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Begrifflichkeit, was hat es mit der Vision der Smart Factory auf sich und welche Rolle spielt ein ERP-System in diesem Zusammenhang?

Was ist eigentlich Industrie 4.0?

Der Begriff stammt aus der Forschungsunion bzw. aus einer Projektgruppe der Hightech-Strategie der deutschen Bundesregierung. In Zusammenarbeit mit führenden Industrieverbänden werden hier Systematiken und Strategien erarbeitet, mit denen deutsche Unternehmen durch den technologischen Fortschritt ihre Innovationsrolle weiter ausbauen und einen Wettbewerbsvorteil sichern können. Besonders Siemens hat das Schlagwort in der Vergangenheit massiv beworben, aber auch die Automobilindustrie leistet effektive Lobby-Arbeit.
 
Im Kern beschreibt der Begriff Industrie 4.0 die nunmehr vierte industrielle Revolution. Wie die vorrangegangenen Revolutionswellen bewirken neue Technologien massive Produktivitätsschübe und neue Chancen für Unternehmen. Dabei lassen sich die bisherigen Veränderungen wie folgt beschreiben:
  1. Durch Nutzung von Dampf- und Wasserkraft zur Mechanisierung von Produktionsprozessen wurden in der ersten Industriellen Revolution zwischen 1785 und 1870 große Produktionssteigerungen erzielt.
  2. Mit Entwicklung der Elektrizität begann ab 1870 die zweite industrielle Revolution, die vor allem durch die Automatisierung mit Fließbändern die Massenproduktion begründete.
  3. Ab 1970 hielt die Elektronik und Computerisierung Einzug und begründete so die dritte industrielle Revolution. 
  4. Industrie 4.0 und damit einhergehend die vierte Revolutionswelle hat erst begonnen. Das Ziel dieser Vision ist es, dass sogenannte Smart Factories entstehen, bei denen die Automatisierung durch intelligente Maschinen optimiert wird, die selbständig miteinander Daten austauschen und kommunizieren. Dadurch wird die Produktion autonomer und flexibler, es können individuellere Produkte massenhaft produziert werden.

Industrie 4.0 in der Praxis

Das Thema Internet of Things (IoT) ist eng verwoben mit der Industrie 4.0. Wie beim Internet der Dinge geht es darum, dass sämtliche Daten aus verschiedenen Quellen automatisiert erfasst und zwischen allen Objekten sowie Maschinen selbständig ausgetauscht und auch interpretiert werden. Der Mensch als Übermittler von Kommunikationsdaten soll hierbei in den Hintergrund treten; der Austausch von Daten erfolgt zukünftig selbständig.
 
Eine erste Integrationsstufe ist das Ausrüsten von Maschinen mit Sensoren, die automatisiert Daten über ihren eigenen Wartungszustand oder den Betriebsstatus anderer Fertigungseinheiten sammeln und diese an eine zentrale Stelle senden. Ist bisher ein Spezialist notwendig, um die Daten zu interpretieren und daraufhin Anpassungen vorzunehmen oder Wartungsaufträge zu vergeben, so soll zukünftig das System selbständig auf diese Daten reagieren und die korrekten Maßnahmen treffen, bevor es zu einem Ausfall kommt.
 
Darüberhinausgehend erhofft sich die Industrie diesen Ansatz zur Smart Factory weiterzuentwickeln. Bei dieser Vision erhält die Fertigungsanlage automatisiert eingehende Daten über Bestellungen und beginnt dann selbständig mit der Produktion. Mittels RFID-Chips an den Waren können Informationen zu jedem Zeitpunkt kommuniziert werden. Das ermöglicht eine automatisierte Abbildung der kompletten Produktion. Bei dieser Vorgehensweise ist dann auch eine on-demand Produktion, die mit eingehender Bestellung startet sowie entsprechende Individualisierungen problemlos möglich, wenn die IT-Infrastruktur entsprechend vorhanden ist. Bestellt beispielsweise ein Kunde ein Fahrzeug über einen Online-Konfigurator, so erkennen die entsprechenden Fertigungsmaschinen selbständig mittels RFID-Informationen, welche Order zu welchem Fahrwerk gehört, was die individuellen Wünsche gewesen sind und welche Schritte als nächstes ausgeführt werden müssen.

Das ERP-System als zentraler Knotenpunkt

Damit diese Vision Wirklichkeit wird, benötigt es jedoch eine umfassende IT-Infrastruktur. Denn auch bei der Smart Factory fallen eine Menge an Unternehmensprozesse an, die gezielt gesteuert werden müssen. So fungiert das ERP-System zukünftig noch mehr als zentraler Knotenpunkt, an dem alle Datenströme im Unternehmen zusammenlaufen und dabei sämtliche Geschäfts- sowie Fertigungsprozesse abgedeckt werden. Vor diesem Hintergrund sind ganzheitliche cloudbasierte ERP-Lösungen das Mittel der Wahl, da hier alle Unternehmensbereiche mit einer ganzheitlichen Datenbasis arbeiten. Vom CRM über die Warenwirtschaft bis hin zur Logistik und der Produktion laufen alle Prozesse Hand in Hand, Daten können von allen Abteilungen eingesehen und darauf basierend Prozesse angestoßen werden. Durch die Cloud wird eine hochverfügbare, sichere und unbegrenzt skalierbare technische Basis geschaffen, so dass das ERP-System zusammen mit Ihren Ideen mitwachsen kann. Die ERP-Software ist dabei der zentrale Knotenpunkt, der die Vision der Industrie 4.0 mit Treibstoff versorgt. Sind Sie bereit für die vierte industrielle Revolution?

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David Lauchenauer
Über den Autor:
David Lauchenauer
David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory Gruppe. 2021 leitete er erfolgreich den Verkauf von myfactory an Forterro.