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Data Sharing – Der Austausch von Daten gewinnt an Relevanz

von Sandra Bültermann am 17.05.2022, 2 min Lesezeit

Daten sind das Gold der post-industriellen Gesellschaft. Sie stellen für Unternehmen aller Größe zunehmend eine Ressource dar, deren Nutzung enorme Wettbewerbsvorteile verspricht. Daten gelten als DER Innovationstreiber der kommenden Jahre. Warum es nicht länger reicht, intern Daten zu sammeln und Betriebe künftig um einen unternehmensübergreifenden Datenaustausch nicht mehr herumkommen, erläutern wir in diesem Beitrag.  

Erfolg basiert immer stärker auf Daten 

Die signifikante Bedeutung von Daten hat sich herumgesprochen. Deutsche Unternehmen erwarten, dass Geschäftserfolge immer stärker darauf basieren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Bei einer repräsentativen Befragung von 604 Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen gaben 7 Prozent an, dass ihr Geschäft schon heute ausschließlich oder sehr stark von datengetriebenen Businessmodellen abhängt. Doppelt so viele erwarten, dass dies in zwei Jahren der Fall sein wird. Damit würde 2024 jedes siebte deutsche Unternehmen sein Kerngeschäft auf Daten aufbauen. Eine rohstoffarme Nation wie Deutschland kann es sich nicht leisten, Datensilos ungenutzt zu lassen. Ein konsequenter Schritt in die Datenökonomie kann die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, das Risiko von Krisen verringern und für einen ressourcenschonenden Umgang sorgen.  

6 von 10 Unternehmen teilen keine Daten  

Doch damit das gelingt, müssen Unternehmen aktiv werden. Derzeit verzichten 63 Prozent darauf, Daten mit anderen Unternehmen zu teilen. Jeweils ein Fünftel bietet eigene Daten anderen zur Nutzung an oder nutzt selbst Daten Dritter. Bei 4 von 10 Unternehmen (43 Prozent), die Daten austauschen, schlägt sich dies stark im eigenen Geschäftserfolg nieder. In den kommenden Jahren dürfte die Bedeutung des sogenannten B2B-Data-Sharing deutlich zunehmen. Demnach will 2024 bereits die Hälfte der Unternehmen Daten anderer Unternehmen einsetzen. Und 30 Prozent wollen bis dahin selbst zum Daten-Anbieter werden.  

Hürden beim Data Sharing 

Obgleich die enorme Relevanz von Daten und des damit verbundenen unternehmensübergreifenden Data Sharing bekannt ist, hegen KMU berechtigte Bedenken gegenüber der Nutzung externer Daten sowie der Bereitstellung der eigenen Datenbestände.

Inkompatible Daten 

Laut Bitkom ist für die Hälfte der befragten Unternehmen die größte Hürde, dass Daten nicht kompatibel sind und dass es keine passenden Partner für den Datenaustausch gibt. Eine Lösung dafür könnte ein einheitlicher europäischer Datenraum sein, den die EU-Kommission schaffen will, um einen Binnenmarkt für Daten zu öffnen. Geht es nach den Plänen der EU, erhalten Unternehmen künftig leicht Zugang zu hochwertigen industriellen Daten in nahezu unbegrenzter Menge. 

Datenqualität 

Bei der Nutzung der zur Verfügung gestellten Daten spielen Kriterien wie Vollständigkeit, Aktualität und Richtigkeit eine große Rolle. Ob Daten in einer ausreichend hohen Qualität vorliegen, lässt sich jedoch meist nicht unmittelbar prüfen. Hier müssen Vertrauensstrukturen bzw. Standards geschaffen werden, die die Erfüllung vorgegebener Kriterien zusichern und die erwünschte Datenqualität gewährleisten. Der Aufwand für das Sammeln, Aufbereiten und Bereitstellen von Daten muss dabei dem betriebswirtschaftlichen Nutzen entsprechen.  

Rechtssicherheit 

Rund ein Drittel der Bitkom-Befragten nennt zudem rechtliche Unsicherheiten. Das Thema Datenhoheit ist bislang nicht ausreichend geregelt. Die bestehenden Gesetze in Deutschland kennen kein eigentumsähnliches Recht an Daten, und die Datenschutzvorgaben hindern den Datenaustau.  

Datenaustausch entlang der Supply Chain 

Vieles, was die Umsetzung und den Ausbau von Data-Sharing-Plattformen betrifft, ist noch Zukunftsmusik. Moderne ERP-Systeme ermöglichen schon heute den Datenaustausch im unternehmensnahen Umfeld, etwa zwischen den Akteuren entlang der Supply Chain. Wertschöpfungsketten gestalten sich zunehmend komplexer, und zuverlässige Planungen sind ohne überbetriebliche Informationen kaum möglich. Nur wenn Unternehmen ihre Grenzen öffnen und den Supply-Chain-Partnern Einblicke gewähren, profitieren sie von Erfolgsfaktoren wie schnelleren Entscheidungen, Kostensenkungen, Termintreue und erhöhter Wettbewerbsfähigkeit. Indem das ERP-System etwa Lieferanten und Logistik-Anbieter integriert und einen reibungslosen Datenaustausch beziehungsweise automatisierten Datenabgleich untereinander gewährleistet, versetzt es die einzelnen Akteure in die positive Lage, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, um etwa auf Krisensituationen schneller zu reagieren oder Prozesse zu optimieren. 

Daten – Grundvoraussetzung für selbstlernende Systeme 

Auch selbstlernende Systeme und künstliche Intelligenzen sind immer öfter im ERP-Umfeld zu finden. Um beispielsweise Wartungen exakter zu planen und Ausfallzeiten zu minimieren, statten Fertigungsbetriebe wartungsintensive Maschinen zunehmend mit Sensoren aus und integrieren IoT-Geräte in die ERP-Landschaft. Anhand der gesammelten Daten aus der Vergangenheit, etwa Mess-, Service- und Reparaturdaten, können KI-gestützte Systeme Rückschlüsse für optimale Instandhaltungen und Wartungen, einen effizienteren Materialeinsatz oder eine optimierte Produktivität ziehen. Stichwort Predictive Maintenance. Doch damit das gelingt und sich selbstlernende Systeme stetig weiterentwickeln können, sind riesige Datenmengen erforderlich, die KMU selten in ausreichender Quantität oder Qualität bereitstellen können. Erhöhen Unternehmen ihre Datendichte, indem sie Daten über Data-Sharing-Plattformen aus unterschiedlichen Quellen beziehen, lässt sich die Lerngeschwindigkeit erhöhen und Predictive Maintenance umso genauer umsetzen.  

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Sandra Bültermann
Über den Autor:
Sandra Bültermann
Sandra Bültermann (*1975) ist seit 1999 als Technische Redakteurin tätig. Als langjährige Mitarbeiterin bei Fachzeitschriften, Agenturen und Softwareunternehmen verfügt sie über umfassende Kenntnisse in den Bereichen IT, Kommunikation und Contentmanagement. Ihre Kernkompetenz liegt darin, komplexe, technische Themen verständlich und zielgruppenorientiert aufzubereiten.